Lasur und Schutz von Sichtbeton

Eine fein pigmentierte Lasur justiert das Gesamtbild, Hydrophobierung und Graffitischutz sichern das Ergebnis gegen Witterung und Vandalismus. Und über allem steht eine oft übersehene Größe: der Glanzgrad.

Die pigmentierte Lasur

Eine pigmentierte Lasur ist das Gegenteil eines Anstrichs: Sie bleibt halbtransparent, lässt Textur, Poren und Schalungsbild sichtbar und legt sich wie ein feiner Schleier über die Fläche. Wolken, Farbtonunterschiede und Angleichstellen treten zurück, der Betoncharakter bleibt stehen. Genau darin liegt der Unterschied zu einer deckenden Beschichtung, nach der die Fläche nicht mehr wie Beton liest.

Typische Fälle sind großflächige Wolken und Verfärbungen, die sich mit punktueller Retusche nicht mehr wirtschaftlich fassen lassen, der Angleich ganzer Flächen nach Instandsetzungen sowie die bewusste Gestaltung: Mit einer Lasur lässt sich das Gesamtbild gezielt justieren, vom Ton bis zur Tiefe. Pigmentierung, Deckungsgrad und Schichtenfolge lassen sich dabei nicht am Schreibtisch festlegen: Saugverhalten und Farbton des Untergrunds bestimmen mit, wie eine Lasur auftrocknet. Deshalb bemustern wir den Aufbau direkt am Objekt, bevor die Ausführung beginnt.

Sichtbetonfläche mit Wolken und Farbtonunterschieden vor der pigmentierten Lasur
Vorher: unruhige Fläche mit Wolken und Tonunterschieden.
Sichtbetonfläche nach der pigmentierten Lasur, vergleichmäßigt bei erhaltener Textur
Nachher: vergleichmäßigt, die Textur bleibt lesbar.

Hydrophobierung

Eine Hydrophobierung dringt in die Randzone des Betons ein und macht die Kapillaren wasserabweisend. Es entsteht keine Schicht auf der Oberfläche: Die Fläche sieht aus wie zuvor, verhält sich aber anders. Wasser perlt ab, statt einzuziehen. Sichtbar wird der Schutz nur, wenn es regnet.

Weniger eindringendes Wasser heißt: weniger Ausblühungen, weniger Frost- und Tausalzschäden, weniger Halt für Moos, Algen und Schmutz. Die Fläche altert langsamer und gleichmäßiger. Klassische Anwendungen sind Fassaden, Sockel und Brüstungen im Außenraum; gerade nach einer Reinigung im Außenbereich ist die Hydrophobierung der Schritt, der das Ergebnis dauerhaft sichert. Besondere Aufmerksamkeit verdienen horizontale Flächen wie Wandkronen und Simse: Dort steht Wasser länger an, die Dauerhaftigkeit jeder Behandlung ist begrenzter. Solche Flächen bewerten wir einzeln. Innenräume brauchen in der Regel keine Hydrophobierung.

Hydrophobierte Sichtbetonfläche, Wasser perlt sichtbar ab
Sichtbar nur im Regen: Wasser perlt von der hydrophobierten Fläche ab.

Graffitischutz

Beim Graffitischutz gibt es zwei Wege. Die Opferschicht: ein Schutzfilm, der bei einer Graffiti-Entfernung mit abgetragen und danach erneuert wird. Geringe Kosten je Quadratmeter, dafür Aufwand bei jedem Vorfall. Und das permanente System: eine dauerhafte Ausrüstung, von der sich Farbe wiederholt abnehmen lässt. Höhere Anfangskosten, dafür schnelle und günstige Entfernung im Fall der Fälle.

Die Entscheidung hängt von Lage und Risiko ab: Ein Sockel an belebter Straße hat andere Anforderungen als ein Innenhof im Obergeschoss. Meist genügt der erreichbare Bereich bis etwa drei Meter Höhe. Ein wunder Punkt ist der Glanz: Viele Systeme erhöhen ihn deutlich, auf einer matten Fassade fällt das sofort auf. Für repräsentative Flächen wählen wir deshalb matte Systeme und prüfen die Wirkung am Objekt. Ist das Graffiti schon da, gehört die Entfernung zur Reinigung; in der Regel folgt eine Retusche, bevor der Schutz aufgebracht wird.

Der Glanzgrad: die stille Größe im Sichtbild

Der Glanzgrad beschreibt, wie stark eine Oberfläche Licht gerichtet zurückwirft: von stumpfmatt über seidenmatt bis glänzend. Roher Sichtbeton ist matt. Jede Behandlung kann das verändern: Lasur, Hydrophobierung und besonders Graffitischutz bringen jeweils ihren eigenen Glanz mit. Wer Flächen behandelt, entscheidet also immer auch über den Glanzgrad, ob bewusst oder nicht.

Frontal betrachtet sehen eine matte und eine seidenmatte Fläche fast gleich aus. Kritisch wird es im Streiflicht: lange Wände entlang eines Fensterbands, Foyers mit seitlichem Tageslicht, Fassaden in tiefstehender Sonne. Dort zeichnet sich jeder Glanzunterschied als Fleck oder Bahn ab, auch wenn Farbton und Textur stimmen. Die häufigsten Ursachen: unterschiedlich saugende Untergründe, Ausbesserungsstellen und Produktwechsel. Wo zwei Systeme aneinanderstoßen, stoßen meist auch zwei Glanzgrade aneinander.

Worauf es ankommt: Einheitlichkeit schlägt den absoluten Wert. Eine gleichmäßig seidenmatte Fläche wirkt ruhiger als eine überwiegend matte mit einzelnen stumpfen Stellen. Für die Retusche heißt das: Sie muss neben Farbton und Textur auch den Glanz der Umgebung treffen, sonst bleibt sie im Streiflicht sichtbar.

Reihenfolge, Verträglichkeit, Bemusterung

Der Schutz ist der letzte Schritt: erst Reinigung, dann Reprofilierungen und Retusche, gegebenenfalls die Lasur, zum Schluss Hydrophobierung oder Graffitischutz. Auf einer hydrophobierten Fläche haften kosmetische Materialien nicht mehr zuverlässig, die Reihenfolge lässt sich also nicht tauschen. Und wo mehrere Systeme zusammenkommen, sichern wir ihre Verträglichkeit durch Erprobung an der Fläche. Entschieden wird alles am Objekt, unter dem Licht, das dort später wirklich herrscht: bei der gemeinsamen Bemusterung, bevor die Fläche großflächig behandelt wird.

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